Leseprobe

Aus diesem Buch haben wir für Sie das Resümée am Ende des Buches als Leseprobe ausgewählt:

Resümee

Nach dem Lesen meiner Schilderungen werden Sie, liebe Leserin, lieber Leser, sich wahrscheinlich fragen, welche Lehren aus meinen Lebenserfahrungen zu ziehen sind. Eventuell werden Sie darüber nachdenken, ob Sie selbst alkoholgefährdet oder schon abhängig sind. Vielleicht suchen Sie für sich selbst einen Ausweg aus der Sucht. Oder Sie fragen sich als Angehörige(r) einer betroffenen Person, wie sie helfen können und welche Fehler Sie dabei unbedingt vermeiden sollten, um sich nicht in ein Netz aus Verheimlichung, ungewollter Unterstützung des Trinkverhaltens, Selbstzerstörung und eigener Abhängigkeit von der alkoholkranken Person zu verstricken. Vielleicht haben Sie auch noch Fragen zum Thema »Beziehungssucht«. Und schließlich werden Sie wahrscheinlich wissen wollen, wo ich heute in meiner Entwicklung stehe und welche Erkenntnisse ich aus meinen Erfahrungen für mein jetziges Leben gewonnen habe. Deshalb will ich versuchen, zu diesen Aspekten in einer kurzen Nachbetrachtung Stellung zu beziehen.
    Wann die Abhängigkeit vom Alkohol beginnt, lässt sich nicht klar definieren. Ein Gelegenheitstrinker, der zunächst meist nur in Gesellschaft trinkt, geht vielleicht dazu über, zur Entspannung zu Hause regelmäßig ein »Gläschen« zu sich zu nehmen, und steigert im Laufe der Zeit allmählich seinen Alkoholkonsum. Der Übergang vom Gelegenheits- zum Suchttrinker ist fließend. Wie die Schilderungen in diesem Buch zeigen, haben Jürgen und ich diese Grenzüberschreitung kaum bewusst wahrgenommen, und anfangs habe ich seinen Alkoholmissbrauch noch als »Normalkonsum« angesehen. Als ich dann hätte merken müssen, dass er ohne sein tägliches Quantum nicht mehr auskam, nahm ich dies zunächst nicht zur Kenntnis. Was nicht existiert, tut auch nicht weh.
    Alkoholabhängigkeit hat – wie andere Süchte auch – eine körperliche, eine seelische und eine soziale Dimension.
    Besonders tückisch erscheint mir die körperliche Abhängigkeit. Sie entsteht durch den Einbau des Suchtmittels in den nervlichen Stoffwechsel und ist durch Gewöhnung, entsprechende Dosissteigerung und durch das Auftreten von Entzugserscheinungen nach Absetzen des Suchtmittels charakterisiert.
    Der Trinker erlebt die Alkoholzufuhr als Steigerung seines Wohlbefindens, die Entbehrung hingegen anfangs als Unbehagen und im fortgeschrittenen Stadium der Sucht als quälenden, unerträglichen Zustand mit Entzugserscheinungen, der in zwanghafter Weise zu neuerlichem Trinken führt.
    Aufgrund dieses Kontrollverlustes konnte Jürgen nicht einfach durch eine Willensentscheidung mit dem Trinken aufhören; und meine Appelle an ihn, kontrolliert zu trinken oder das Trinken einzustellen, waren falsch und nutzlos!
    Überhaupt ist die Vorstellung »kontrollierten Trinkens« irrig; denn ein nicht abhängiger Mensch kann frei über seinen Alkoholkonsum entscheiden und braucht sich nicht um kontrolliertes Trinken zu bemühen. Und ein alkoholkranker Mensch kann sein Trinkverhalten nicht kontrollieren!
    Ihm nützen daher auch Appelle, Vorhaltungen, gutes Zureden, Strafen, Fristen und Ultimaten nichts. Jürgen hätte fachmännische Hilfe gebraucht, nicht Vorwürfe und Schuldzuweisungen. Tief in seinem Inneren wusste er sicherlich, was er sich und mir antat. Er litt unter seinen Schuldgefühlen, und deshalb tobte in ihm ein Kampf gegen die Flasche, ein Kampf, den er ohne fachliche Hilfe und seine eigene Entscheidung, sich helfen zu lassen, jedoch nicht gewinnen konnte.

Aus dem Teufelskreis der Sucht gibt es nur einen Ausweg: Der Betroffene muss selbst mit dem Trinken aufhören wollen und auf seine eigene Initiative hin Hilfe suchen und annehmen! Wichtig ist dabei vor allem, dass er überhaupt erst einmal einsieht, dass er abhängig ist und dem Suchtmittel machtlos gegenübersteht, und dass er bereit ist, an sich selbst zu arbeiten und sich mit seiner Situation und seinen Gefühlen auseinanderzusetzen. Wenn Mitmenschen einen Alkoholiker zwingen wollen, mit dem Trinken aufzuhören, tun sie mit Sicherheit genau das Falsche!
    Hilfe können Alkoholikerinnen und Alkoholiker zum einen bei Suchttherapeuten und Fachkliniken finden. Zum anderen haben sie die Möglichkeit, sich einer der zahlreichen Selbsthilfegruppen anzuschließen.
    Zu nennen sind hier z. B. die »Anonymen Alkoholiker«. Die regelmäßige Teilnahme an diesen »Meetings« hat schon vielen Betroffenen geholfen.
    Partner, Angehörige und Freunde können bei den Treffen der »Al-Anon«, Selbsthilfegruppen für Angehörige von Alkoholkranken, Rat und Hilfe bekommen.
    Eine weitere Möglichkeit sind die Treffen der »Freundeskreise«. Sie stehen in aller Regel sowohl alkoholabhängigen Menschen als auch ihren Angehörigen offen.
    Die Anschriften und Telefonnummern der genannten und zahlreicher weiterer Hilfsorganisationen finden Sie im Anhangteil »Nützliche Adressen« dieses Buches ab Seite 150. Die Bundeszentralen der genannten Selbsthilfekreise nennen Ihnen auch entsprechende Gruppen in Ihrer Nähe.
    Weitere Informationsmöglichkeiten sind: Ärzte, Drogen- und Suchtberatungs- stellen, Krankenkassen, kirchliche Einrichtungen, Telefonseelsorge, Rubriken zu Selbsthilfegruppen und Veranstaltungen in Tageszeitungen, Veranstaltungskalendern und Stadtmagazinen, Gesundheitsämter und die Landeszentralen für Gesundheitsaufklärung (siehe Seite 152 ff.). Auch das »Malteser-Telefon« (siehe Seite 152) kann Ihnen aus einem umfangreichen Verzeichnis von Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen geeignete Adressen nennen.

Wie sollten sich nun Angehörige eines Alkoholkranken verhalten? Drei Aspekte erscheinen mir wichtig:
    Erstens: Sie sollten die alkoholabhängige Person auf geeignete Hilfsmöglichkeiten (Anonyme Alkoholiker, Freundeskreise usw.) aufmerksam machen, ohne Druck auszuüben. Druck würde wahrscheinlich nur zu trotziger Abwehr führen. Sie müssen dabei akzeptieren, dass der Entschluss, solche Hilfe anzunehmen, vom Betroffenen selbst ausgehen und möglicherweise auch erst in ihm heranreifen muss!
    Zweitens: Scheuen Sie sich nicht, eine Selbsthilfegruppe für Angehörige von Alkoholikern aufzusuchen! Bleiben Sie mit Ihren Problemen nicht allein, und seien Sie bereit, auch Ihrerseits an sich selbst zu arbeiten und über ihre Gefühle, Erwartungen, Verhaltensweisen usw. in der Gruppe zu reden! Von ihrem eigenen Verhalten hängt nämlich sehr viel ab!
    Drittens: Informieren Sie sich möglichst genau über das wichtige und zentrale Thema »Co-Abhängigkeit«, z. B. anhand guter Fachbücher und möglichst auch im Gespräch mit Fachleuten und anderen Angehörigen von Alkoholkranken. Co-Abhängigkeit ist ein komplexes Phänomen, auf das Sie wahrscheinlich völlig unvorbereitet gestoßen sind; und nur wenn Sie darüber informiert sind, besteht die Chance, daß Sie nicht in diese Falle tappen.
    Was ist das eigentlich – »Co-Abhängigkeit«? Man versteht darunter die Tatsache, dass Angehörige von Alkoholikern sich in aller Regel in ein schwer zu entwirrendes Geflecht von Mit-Abhängigkeit und verschiedenen Verhaltensweisen verstricken, die unbeabsichtigt die gemeinsamen Probleme und das Trinkverhalten der alkoholkranken Person aufrechterhalten. Die bedeutsamsten Fehler, die bei mir zu einer solchen Co-Abhängigkeit führten, will ich kurz darstellen:
    Es war falsch, dass ich aus Schamgefühl Jürgens Trinkerei verheimlichte und mich auf diese Weise von anderen abkapselte. Ich hätte nicht alle meine Freundschaften aufgeben dürfen – mit der Folge, dass Jürgen und ich gemeinsam einsam waren. Es war auch falsch, dass ich Jürgen durch das Verheimlichen seiner Trunksucht vor Schwierigkeiten mit anderen schützte und er so nie die Konsequenzen seines Handelns erleben konnte. Ich hätte mir Menschen suchen müssen, mit denen ich über meine Situation hätte reden können. Sicherlich wäre es hilfreich gewesen, in eine Selbsthilfegruppe zu gehen, aber damals glaubte ich, meine Probleme letztlich doch allein bewältigen zu können. Ich log mir in die eigene Tasche und glaubte, Jürgen heilen und retten zu können. Heute ist mir klar, dass ich ohne das strikte Befolgen der Ratschläge des Al-Anon-Buches (insbesondere den Hinweis, dass ein Trinker meist erst fremde Hilfe annimmt, wenn er den Tiefpunkt seiner Entwicklung erreicht hat) keinen Schritt weiterkam.
     Durch meine Wankelmütigkeit stand ich mir selbst im Wege. Wenn Jürgen mal wieder ein paar Tage nett zu mir war, vergaß ich die Al-Anon-Regeln; doch nur konsequentes Verhalten Jürgen gegenüber hätte etwas bewirken können.
    Falsch war auch, dass ich Jürgen beim Trinken oft Gesellschaft leistete oder aus Ärger über ihn etwas Alkoholisches trank. Ich hasste mich selbst deswegen, gab aber Jürgen die Schuld! Er war für mich der Sündenbock, wenn ich mich mit einem Kognak beruhigen »musste« oder einige Gläser Rotwein zu viel trank, weil er so gemein war. Aus heutiger Sicht ist das eine Schuldzuweisung, die absolut nicht gerechtfertigt war. Es war doch meine Entscheidung, etwas Alkoholisches zu trinken oder nicht!
    Da Alkohol u. a. die Gehirnzellen schädigt und zerstört, kann es im Laufe der Zeit zu extremen Persönlichkeitsveränderungen und stark wechselnden Gefühlslagen kommen. Wut, Depressionen, euphorische Phasen, Schuldgefühle usw. wechseln sich ab. Die Kritik- und Urteilsfähigkeit ist gestört. Versprechungen und Vorsätze scheitern. Der Alkoholkranke wird immer mehr zum Gefangenen seiner Sucht und hat häufig Gewissensbisse.
    Ich selbst reagierte auf Jürgens Stimmungsschwankungen, besonders auf Aggressivität und Beleidigungen, oft mit Hass, Wut, Vorwürfen, Gemeinheit und Gehässigkeit. Damit strafte ich mich im Grunde genommen selbst; denn wenn ich zu Jürgen gemein und gehässig war, weil er mich mit zynischen Worten verletzt hatte oder es ablehnte, ein weiteres Gespräch zu führen, fühlte ich mich anschließend elend und niedergeschlagen.
    Darüber hinaus zerstörte ich auch dadurch mein Selbstwertgefühl, dass ich vieles auf mich bezog, auch wenn ich gar nicht der Verursacher war. Wenn Jürgen sich z. B. abweisend oder boshaft verhielt, suchte ich den Fehler bei mir.
   
Mit meiner Unsicherheit, Labilität und meinem mangelnden Selbstwertgefühl besonders in der ersten Zeit unserer Beziehung hing es wohl auch zusammen, dass ich meist nicht tat, was ich wollte, sondern was Jürgen wollte.
    Ich war keine unabhängige, selbstständige Persönlichkeit mehr. Ich funktionierte nur noch in Verbindung mit Jürgen. Mein Selbstvertrauen war verschüttet, und ich zweifelte an mir selbst.
    Wenn Sie sich als Partner(in) eines Alkoholikers nur noch auf diesen konzentrieren und Ihren eigenen Bedürfnissen nicht mehr gerecht werden, sind Sie schon der Verlierer. Sie müssen den Kampf gegen den Alkohol gewissermaßen aufgeben und Ihre eigene Machtlosigkeit einsehen. Erst dann können sich neue Wege eröffnen.
    Es lohnt sich nicht, eigene Interessen, Freunde und letztlich sein eigenes Leben für den trinkenden Partner aufzugeben. Sie müssen Ihren Schmerz hinausschreien und dürfen sich nicht abkapseln. Sie müssen auch an sich selbst denken, Dinge tun, die Sie selbst gern tun möchten, und sich mit Menschen treffen, mit denen Sie selbst sich treffen wollen.
    Mein gravierendster Fehler war, dass ich Jürgen ändern und vom Trinken abbringen wollte. Dabei habe ich wohl kaum einen Fehler ausgelassen, den eine Co-Abhängige so macht, und – in bester Absicht – versucht, Jürgen durch verständnisvolles Zureden, Vorhaltungen, Druck, Vorwürfe, Bedingungen, ein Ultimatum, Beschimpfungen, Strafen (wie Liebesentzug) und Drohungen zur Abstinenz zu bewegen. Dies alles war falsch, weil Jürgen ja nicht einfach aufhören konnte!
   
Meine Versuche, etwas zu verändern, haben allenfalls bewirkt, dass Jürgen und ich sich unnötig lange gequält haben. Die Partnerin eines Alkoholikers muss ihre Erwartungshaltung, dass sich etwas ändern könnte, zunächst einmal aufgeben und sich klarmachen, dass Alkoholismus eine Krankheit ist, die weder sie selbst noch der Partner bekämpfen kann. Ich denke, dass in aller Regel die Tiefpunktthese der Al-Anon zutrifft, die besagt, dass der Betroffene erst dann bereit ist, sich helfen zu lassen, wenn er ganz unten angekommen ist und die vollen Konsequenzen seines Handelns erfährt und sich damit auseinanderzusetzen beginnt.
    Einer der schwerwiegendsten Fehler, den Angehörige von Suchtkranken machen können, ist, den Partner schützen, heilen und retten zu wollen und bei Schwierigkeiten (wie unbezahlten Rechnungen und Schulden) immer gleich für ihn die Situation zu bereinigen. Durch solches Handeln wird dem Betroffenen die Möglichkeit genommen, die Konsequenzen seines Tuns zu erleben und bereit zu werden, sich helfen zu lassen.
    Wichtig ist allerdings, dass Angehörige und Freunde in dem Moment, wo die abhängige Person von sich aus um Hilfe bittet und endlich von ihrer Sucht befreit werden will, Rat und Unterstützung nicht versagen!

Wie wirkten sich meine damaligen Fehler nun auf mich aus? Meist ließ ich den Dingen ihren Lauf und versuchte nicht, etwas an meinen eigenen Verhaltensweisen zu verändern. Ich grübelte und grübelte, schob unangenehme Entscheidungen auf, hegte Rachegefühle und provozierte Streitereien. Das alles machte mich selbst seelisch krank.
    Der bekannte Arzt und Psychologe C. G. Jung hat einmal gesagt: »Wenn die Ereignisse auf der Welt fehlerhaft verlaufen, dann stimmt mit mir selbst etwas nicht!« Doch das habe ich erst sehr viel später erkannt.
    Ich habe schon erläutert, dass ich seinerzeit eine Selbsthilfegruppe hätte aufsuchen sollen. Darüber hinaus erscheint es mir aber auch wichtig, dass Angehörige von Alkoholkranken sich individuell passende Lebensinhalte suchen, sich z. B. einem Hobby widmen und sich einen eigenen Freundeskreis aufbauen. Und wenn Sie als Partner(in) einer alkoholkranken Person keinen Weg mehr sehen, miteinander auszukommen, dann sollten Sie auf jeden Fall die Trennung vollziehen!

Meine Ehe mit Jürgen ist nicht nur am Alkohol zerbrochen. Es gab auch noch eine andere Sucht, die ihr zerstörerisches Werk trieb: Beziehungssucht!
    Zu Anfang war Jürgen für mich DAS AUFREGENDE ANDERE gewesen, und ich tat alles, um ihm zu gefallen. Meine eigenen Bedürfnisse rückten ganz in den Hintergrund, mein Leben war total auf Jürgen ausgerichtet, und nach und nach ging meine eigene Identität verloren. Ich tat nicht mehr das, was ich für richtig hielt, sondern das, was ihm gefiel, und so gab es bei uns bald nur noch ein WIR, und meine Liebe zu Jürgen glich einer Besessenheit, einer Sucht! In einer intakten Beziehung ist es aber wichtig, dass die Partner ihr ICH nicht verlieren. Es muß ein ICH und ein DU und ein WIR geben!
    Als ich nach meiner Trennung von Jürgen auf Robin Norwoods Buch »Wenn Frauen zu sehr lieben – Die heimliche Sucht, gebraucht zu werden« stieß, wurde mir klar, dass ich beziehungssüchtig gewesen war und zu sehr geliebt hatte. »Zu sehr lieben«, das heißt nicht etwa, einen Menschen zu aufrichtig und zu tief zu lieben. Es bedeutet: sich für einen Menschen bis zur Selbstaufgabe zu verzehren, diese Besessenheit für Liebe zu halten, zu erkennen, dass sich diese manische Liebesform zerstörerisch auf die eigene seelische und körperliche Gesundheit auswirkt und das eigene Verhalten völlig beherrscht, und trotzdem nicht loslassen zu können. Es heißt, den Grad der Liebe am Ausmaß der damit verbundenen Qualen zu messen.
    Beim Lesen dieses Buches entdeckte ich viele Parallelen zwischen der Entwicklung eines Alkoholikers und eines beziehungssüchtigen Menschen (meist Frauen). Das fängt mit der Fixierung auf Alkohol bzw. den Partner an, geht weiter mit der Verleugnung des Problems, dem Abbruch von Kontakten zu anderen Menschen, Stimmungsschwankungen und Schuldgefühlen und endet in Hass und Rechtfertigungen.
    Auch wenn ich heute weiß, dass ich beziehungssüchtig war, so war es doch eine große Liebe – meine große Liebe. Aber Liebe in dieser Form zu erleben, das ist nicht erstrebenswert. Ich wünsche niemandem, derartige Erfahrungen zu machen, weder in Form von Alkoholismus noch von Beziehungssucht.

Vielleicht werden Sie, liebe Leserin, lieber Leser, jetzt noch wissen wollen, wo ich heute in meiner Entwicklung stehe.
    Wie berichtet, bekam ich bei meinem letzten Telefonat mit Jürgen kein Herzklopfen mehr. Aber in meinen Gedanken lebt diese Liebe fort. Trotzdem weiß ich, dass ich das Richtige getan habe, als ich mich von Jürgen getrennt und aus meiner Beziehungssucht gelöst habe. Weiterhin mit einem Alkoholiker zusammenzuleben wäre eine unmenschliche Quälerei für mich gewesen, und die habe ich mir erspart.
    Nach der Trennung sind neue Qualitäten in mein Leben gekommen. Ich habe neue Fähigkeiten an mir selbst entdeckt und habe angefangen, zu malen und zu schreiben. Diese Tätigkeiten bereiten mir sehr viel Freude, und ich habe erkannt, wie wichtig es ist, seinem Leben selbst bereichernde Inhalte zu geben und sinnvolle Ziele zu setzen.
    Durch die geschilderten Erfahrungen und Probleme und ihre Bewältigung habe ich viel über mich selbst und das Leben gelernt. Die Krise war also letztlich auch eine Chance. Doch ich bin noch lange nicht am Ende meiner Selbsterfahrungsreise angekommen. Noch liegt ein gutes Stück Arbeit vor mir.

Christine Heeg
 

Nur wer durch die Hölle
seiner eigenen Sucht
gegangen ist,
hat die Chance,
zu sich zurückzufinden.

Manfred Grunert


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